Mehr Achtsamkeit - Interview mit Donja




Magst Du dich erstmal kurz vorstellen und erzählen, wie Du zu mehr Achtsamkeit in deinem Leben gekommen bist? 

Ja sehr gerne. Ich bin Donja, bin jetzt 39 Jahre alt und wohne seit ungefähr 12 Jahren hier im Rhein-Main-Gebiet. Ursprünglich komme ich aus der Nähe von Göttingen und habe in Lüneburg Wirtschaftspsychologie studiert. Dann hatte ich mehrere Auslandsaufenthalte: in London und Kairo und habe dann einen Job gesucht und hier gefunden. In der Schulzeit habe ich schon gemerkt, dass ich einen sehr hohen Anspruch an mich habe und habe mich damit schon immer sehr unter Druck gesetzt. 

Es hat immer alles funktioniert, aber es war immer verbunden mit einer hohen Anstrengung im Sinne von sich Sorgen und Gedanken machen. Da war ich ein absoluter Kopfmensch.

Im Studium wurde es dann etwas entspannter, auch dank einer guten Freundin. Wir haben viel zusammengelernt und alles gemeinsam strukturiert, um uns so mehr den Druck zu nehmen. Durch die Struktur konnte man dann auch wieder mehr Pausen machen und mal mehr abschalten. 

Dann habe ich meine Diplomarbeit geschrieben und bin dafür wieder zu meinen Eltern gezogen. Da hatte ich wieder mehr Kontakt zu meiner ehemaligen Querflötenlehrerin, die auch eine bestimmte Form von tibetischen Yoga und Meditation unterrichtet, Sie hatte damals dafür Abende angeboten und da bin ich auch mal hingegangen. 

Das besondere an diesem Yoga ist, dass es alles sehr ruhig und langsam ausgeführt wird, wie in Zeitlupe, um alles zu spüren und wahrzunehmen - alle Gefühle da sein zu lassen. 

Am Anfang bin ich fast wahnsinnig geworden, weil ich durch die Diplomarbeit unter so einem Stress stand. Dann gab es einen Moment, wo es umgeswitcht ist, wo eine Welle von Entspannung über mich gekommen ist und das war so schön und eindrücklich, dass mir das auch nach über 15 Jahren sehr im Gedächtnis geblieben ist. So hat es dann begonnen, dass ich mich mehr mit solchen Sachen beschäftigt habe, weil ich einfach gemerkt habe, dass es mir etwas gibt, was ein sehr guter und gesunder Gegenpol ist zu diesem Anspruchsdenken, Leisten und gut sein. Das war der Anfang!

Wie ging es dann weiter?

Ich habe dann viele Sachen selbst gemacht, an Retreats teilgenommen, auch verschiedene andere Yoga Sachen ausprobiert und dort auch ganz ganz viel über mich gelernt. Ich habe gelernt, in alles eine gewisse Entspannung reinzubringen. 

Ich habe gelernt, weniger zu kontrollieren und mehr zu vertrauen, dass alles richtig ist und alles für mich passieren wird. Das Gefühl ist so schön, dass ich es auch gerne mit anderen teilen möchte.  

Dafür habe ich dann verschiedene Sachen ins Leben gerufen. Hauptberuflich bin ich bei der Deutschen Bahn im Weiterbildungsbereich und habe mir oft gewünscht diese Achtsamkeit auch ins Arbeitsleben zu integrieren. 

Oft ist es so, dass Leute denken, sie müssten immer funktionieren und nicht sehr fürsorglich mit sich umgehen, um auf so einen hohem Pensum weitermachen zu können.

Dabei ist es viel sinnvoller, mal in sich und seinen Körper hören und reinfühlen: Was brauche ich jetzt eigentlich und was geht gerade in mir vor?

Auch wenn es nicht immer schön ist, ist es ja eigentlich ein Geschenk, wenn man körperliche Signale bekommt, die einem zeigen, dass etwas gerade nicht in Ordnung ist.  

Dann kann ich schauen, wie ich jetzt damit umgehen kann. Und nicht einfach zu sagen, dass muss so schnell wie möglich wieder weg, egal wie! Sondern es wertzuschätzen, dass der Körper mit einem kommuniziert.

Ich glaube auch, je mehr man seinem Körper zuhört und er es merkt, desto weniger muss der Körper dann so krass reagieren, wenn mal was ist. Dann weiß er irgendwann, dass es reicht, wenn er sich kurz und sanft meldet und erhört wird. Er versteht, dass wieder mehr auf ihngeachtet wird, ohne dass er rebellisch werden muss. 

Ich bin überzeugt, dass ich viel tun kann, um mich zum Beispiel auch auf der Arbeit so entspannt und wohl wie möglich zu fühlen. Zu erleben, wie man mit allen Herausforderungen gut umgehen kann, ohne sich fertig zu machen. Und wenn man glücklich und entspannt ist, ist man auch automatisch erfolgreich. Das ist so meine Idee: mehr Achtsamkeit ins Arbeitsleben zu bringen!

Wie genau machst Du das?

Ich habe angefangen jede Woche eine ganz kleine Achtsamkeitsübung zu machen und habe ein paar Kollegen mit dazu geholt, die es auch interessant fanden. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Interessenten dazu und es hat sich eine Art Newsletter entwickelt. Am Anfang der Woche verschicke ich die Übung und teile es so mit Anderen.

Manchmal ergänze ich Übungen, manchmal nehme ich auch eine Meditation auf, welche sie dann machen können. Es ist einfach total schön, über das Feedback zu erfahren, dass es anderen hilft und eine Freude macht.

Über den Newsletter bin ich immer wieder darauf angesprochen worden, ob ich nicht auch Workshops anbieten könnte und seitdem gebe ich in verschiedenen Geschäftsbereichen Workshops. Das macht mir sehr viel Spaß und es ist genau das, was ich total gerne mache.

Vor Ort habe ich dann die Monday Morning Mindfulness Gruppe gegründet, wo wir uns jeden Montagmorgen treffen und 45 Minuten lang Meditationen und Achtsamkeitsübungen machen. Das ist gleich ein ganz anderer Start in den Tag, ohne dass Du viel dafür machen musst! 

So Kleinigkeiten machen dann wirklich einen Unterschied! 

Machst Du auch außerhalb deiner Arbeit Workshops oder hast Du es überhaupt vor?

Ich würde es auf jeden Fall total gerne machen. Ich habe einmal in einer anderen Firma auf einer Abteilungsveranstaltung ein Workshop gegeben und kann mir auch gut vorstellen, das noch auszuweiten. 

Dadurch, dass meine Workshops auch immer ausgebucht sind, weiß ich, was für ein Bedarf da ist und den würde ich gerne mehr decken. 

Die Welt wird ja auch immer schneller und komplexer. Das können wir nicht beeinflussen, aber wir können schauen, dass wir gut dafür gewappnet sind. 

Das wir gut bei uns bleiben können.

Ich würde Achtsamkeit auch am Liebsten als Pflichtfach in der Schule einführen. Wenn ich das als Kind schon gelernt hätte, hätte es mir so sehr geholfen in vielen Situationen. Wenn die Kinder so etwas von klein auf mitkriegen ist es dann nochmal ganz anders und viel intensiver. 

Natürlich sind fachliche Inhalte auch wichtig, aber was hilft mir denn wirklich im Leben? Inhalte verändern sich so schnell, die kann man gar nicht alle greifen und verinnerlichen, aber ich kann einen Weg finden, wie ich gut in diesem ganzem, vielleicht auch manchmal zu viel, zurecht kommen kann. 

Und solche Kompetenzen finde ich total hilfreich und wichtig. 

Gerade wenn man aufwächst verändert sich ja auch so viel und man muss seinen Platz in der Welt finden und da dann zu schauen, wie kann ich trotzdem Wege finden, um damit klar zu kommen und das ist dann schon früh gelernt zu haben finde ich richtig gut.

Hast Du selbst für Dich Achtsamkeitsroutinen, die Du täglich machst? 

Früher hatte ich eine Morgenroutine, die immer gleich war, mittlerweile schaue ich mehr was gerade gut passt. Also entweder mache ich mit meinem Freund Yoga, manchmal schreibe ich auch einfach, oder ich höre einfach ein Mantra und sitze eine Zeitlang da. Da schaue ich immer was sich gerade für mich richtig anfühlt. 

Abends lassen wir oft einfach nochmal den Tag Revue passieren und schauen was an dem Tag schön war und machen eine gewisse Form von Dankbarkeitsübung. 

Was bedeutet Dankbarkeit für Dich?

Wir sind ja schnell dabei immer alles eher negativ zu sehen und aufzuzählen was alles blöd war, anstatt auch mal zu sagen wofür wir dankbar sind und was wir aneinander wertschätzen und toll finden. Wenn wir uns öfter bewusst machen, wofür wie dankbar sind, geht das dann auch mit der Zeit mehr in den Alltag ein.

So kann ich auch immer öfter das Positive in der Situation sehen. Die Situation ist ja erstmal sowieso so wie sie ist und ich kann erstmal nichts im Außen beeinflussen. Aber ich kann beeinflussen, wie ich mich dabei fühle und wie ich mit der Situation umgehe.

Es ist in manchen Situationen bestimmt nicht immer leicht, z.B. wenn man etwas auf jeden Fall will. Oft ist es dann aber so, dass es genau so einfach sein soll und etwas viel cooleres auf einen wartet. Da können dann auch sehr schöne Sachen passieren, an die man vorher noch nicht mal gedacht hat.

Vertraust du da komplett oder beeinflusst Du gewisse Dinge trotzdem auch bewusst, indem Du beispielsweise Dinge visualisierst? 

Ja doch, das mache ich auch gerne und habe mich da auch viel an Laura Malina Seiler (spiritueller Coach gerne mal googeln, mit ihr habe ich auch schon gearbeitet) orientiert, ich finde sie hat da wirkliche tolle Techniken und finde sie sehr inspirierend. 

Zum Beispiel schreibe ich oft meine Ziele auf und zwar so als seien sie schon Realität geworden.  Das und auch ein Visionboard (gerne einfach mal googeln falls es nicht bekannt ist hier findest Du z.B. eine Anleitung für das Erstellen eines Vision Boards: https://katharinakipp.blog/), da habe ich schon das Gefühl und die Erfahrung gemacht, dass es wirklich viel bringt. 

Dann bin ich natürlich auch trotzdem irgendwo noch ein Kopfmensch und mache mir einen Plan und schaue aber auch wie viel möchte ich jetzt planen und wie viel möchte ich auch einfach mal vertrauen und visualisieren?

Das ist mir auch nochmal wichtig zu sagen, nicht alles bei mir klappt immer direkt und läuft perfekt, aber ich habe einen Weg gefunden, wie ich mit den zwei Polen im Leben sehr gut umgehen kann. Jeder Baustein von Achtsamkeit lässt das alte Kontrolle-und Misstrauengefühl etwas kleiner werden, es ist ein stetiger und nie endender Prozess, der auch immer wieder Höhen und Tiefen hat.

Ich finde es wichtig, da seinen Weg zu finden und auch mit seinem Herzen verbunden zu sein, um in diese Ruhe und Achtsamkeit zu kommen. 

Möchtest Du noch etwas zu deinen Coachings erzählen und/ oder etwas was Dir noch wichtig ist? 

Ich finde es bei meinen Workshops sehr wichtig, dass die Leute eine Art von eigenen Erfahrungen machen und auch praktische Erfahrungen mitnehmen können, die sie dann im Alltag für sich anwenden können. Der erste Schritt ist immer eine Art von Bewusstsein zu schaffen. Dafür leite ich dann auch oft Meditationen in den Workshops an, wo die Teilnehmer zum Beispiel in eine Situation gehen, wo sie richtig gut und im Flow gearbeitet haben. Um dann hinterher zu schauen und sich bewusst zu machen, wie das eigentlich genau war.

So finden sie dann auch eigenständig die Bedingungen heraus, um im Flow arbeiten zu können. Anschließend können sie herausfinden, was sie aus diesem Flow, diesem Idealzustand herausbringt.

Nur mit diesem Bewusstsein, können wir Dinge aktiv verändern.

Ich finde es auch gut ein bisschen theoretischen Input zu geben, aber vor allem sollen die Teilnehmer etwas zum Anwenden mit nach Hause nehmen können. 

Es war wirklich sehr inspirierend mit Donja zu sprechen!

Falls noch Fragen sind, gebe ich gerne Kontaktdaten weiter!

0 Ansichten

Lass uns dein Business aufs nächste  Level heben!